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EnergieRadar - Ausgabe 10/2026
Das aktuelle Energiebild:
> Stromertrag aus Wasser. Vergleich 2016 / 2026
Quelle:APG, Kalab Energie Consulting
Grafik: EIW
Anteil der Stromproduktion aus Wasserkraft – Vergleich zwischen 2016 und 2026, Werte von Januar bis September. Die Grafik zeigt einen deutlichen Rückgang speziell bei der Erzeugung aus Laufwasserkraftwerken, die lange als stabile Basis der heimischen Stromproduktion galten. In Folge sinkt der Anteil der erneuerbaren Energien am österreichischen Stromverbrauch, und der Importanteil steigt. Wie der EAG-Monitoringbericht der E-Control zeigt, kamen 2024 die Erneuerbaren auf einen Rekordanteil von 94 Prozent. 2025 lag der Wert bei 78 Prozent, und 2026 bringt einen weiteren Rückgang:
Laut aktueller Statistik der Austrian Power Grid (APG) sank im heurigen September die Erzeugung aus Wasserkraft im Vergleich zum Vorjahresmonat um 37 Prozent. Die Photovoltaik konnte einen Teil davon ausgleichen und legte um 41 Prozent zu. Die Windkraft blieb mit einem Plus von einem Prozent nahezu auf Vorjahresniveau.
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Die metalltechnische Industrie: Enabler der Energiewende
Die österreichische metalltechnische Industrie ist eine Schlüsselbranche zur Ermöglichung der Energiewende. In vielen Bereichen konnte der Energieverbrauch auch deutlich reduziert werden. Gleichzeitig sind ihre energieintensiven Branchen stark von steigenden Energiepreisen betroffen.
Die österreichische metalltechnische Industrie liefert die Grundlagen für viele Transformationspfade – von Windkraftanlagen über Photovoltaik-Strukturen, Wärmepumpen und Elektromobilität bis hin zu Netzinfrastruktur und Speichersystemen. Maschinenbau und Metallerzeugnisse bilden das industrielle Rückgrat dieser Technologien, während die Gießereien zentrale Komponenten für Energie-, Verkehrs- und Produktionssysteme bereitstellen. Der Energieeinsatz in der Branche ist auch Indikator der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der industriellen Transformation, und international wettbewerbsfähige Energiepreise sind notwendig, um die Produktionskapazitäten für Transformations-güter zu sichern und auszubauen.
Energieeinsatz 2010–2024 im Kontext der Transformation
Zwischen 2010 und 2024 haben Teile der metalltechnischen Industrie ihren Energieverbrauch deutlich reduziert. Die Branchen Maschinenbau (NACE-Code C 28) und Herstellung von Metallwaren (NACE-Code C 25) senkten ihren Einsatz um insgesamt 28 Prozent, während die Gießereien (NACE-Code C 24.5) einen Anstieg von 26 Prozent verzeichneten – denn diese sind essenziell für die Produktion von Transformationsgütern (z.B. Netzausbaukomponenten, Turbinen, Motoren, Wärmepumpenverdichter) und vergleichsweise energieintensiv. Weniger Energieeinsatz in NACE C 25 und NACE C 28 verbessert die Voraussetzungen, bei volatilen Energiepreisen wettbewerbsfähig zu bleiben und Investitionen in Transformation und Innovation abzusichern.
Versorgungssicherheit und Preisvolatilität als systemische Faktoren
Seit 2020 haben Versorgungssicherheit und Preisvolatilität bei Gas und Strom die Transformationsfähigkeit der Branche maßgeblich beeinflusst: Extreme Gaspreisspitzen erhöhten den Druck, den Einsatz von Erdgas zu reduzieren. Ob Ersatz möglich ist, hängt erheblich von Teilbranche und Produktionsprozess ab. Preisanstiege bei Strom ab 2021 fielen in eine Phase steigender Elektrifizierung, was in Unternehmen, die zentrale Technologien der Energiewende produzieren, zu erheblichen Kostenbelastungen führte. Erst die Entspannung ab 2023 ermöglichte eine erneute Ausweitung des Stromeinsatzes.
Gesamtbewertung im Transformationskontext
Energie- und Kosteneffizienz der metalltechnischen Industrie bestimmen unmittelbar die Geschwindigkeit und Kosten der Transformation in Österreich. Die Branche selbst leistet hier laut FMTI-Branchenumfrage vom April 2026 einen erheblichen Beitrag: 47,9 Prozent der Betriebe haben einen Anteil an erneuerbarer Energie von über 50 Prozent am Gesamtenergieverbrauch, 90,4 Prozent der antwortenden Betriebe haben eigene Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz bereits umgesetzt, in Umsetzung oder geplant – 58,5 Prozent davon sind bereits realisiert. Hohe Energiekosten insbesondere im Strombereich verzögern nicht nur die Transformation der Branche, sondern dämpfen Österreichs Fähigkeit, weltweit die Dekarbonisierung mitzugestalten. Damit die Branche diese Rolle weiterhin erfüllen kann, müssen auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen für Investitionen in die Transformation am Standort Österreich gesichert werden.
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EU-Partner zu Gast beim EIW
Mitte Oktober war das EIW zwei Tage lang Gastgeber für Partnerinnen und Partner des EU-Life-Projekts EcoSMEnergy, in dessen Rahmen Unternehmen einiger wesentlicher Industriezweige wie beispielsweise Kunststoff- und Metallherstellung, Maschinenbau oder Elektronikindustrie bei der praktischen Umsetzung von Energiemanagement-Systemen unterstützt werden.
Für die Beteiligten aus acht Ländern – vom Baltikum bis Malta, von Marseille bis Nikosia – hat sich ein weiteres Mal gezeigt, dass in einem über drei Jahre laufenden Projekt die kleinen oder auch größeren Hürden bei einem persönlichen Treffen weit besser zu überwinden sind als bei den regelmäßigen Videokonferenzen. Der direkte, gemeinsame Austausch bringt schneller praktische Lösungen. So führte das Treffen auch den besonderen Wert solcher Projekte auf EU-Ebene vor Augen: Mit dem Austausch spezifischer Erfahrungen können allgemein anwendbare Lösungsansätze erarbeitet werden.
Michael Osobsky vom Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) und dem Dachverband Energie-Klima (DVEK) hat als Gastvortragender nicht nur anschauliche Beispiele für Energieeffizienz in der Branche präsentiert, sondern auch gezeigt, wie sehr diese Industrie die technologischen Grundlagen für die Energiewende schafft – sei es bei Wind- und Wasserkraft, bei Photovoltaik oder E-Mobilität, dem Stromnetz oder Speichersystemen.
Die Exkursion zu Österreichs größter Forschungs- und Technologieeinrichtung, dem Austrian Institute of Technology (AIT) im 21. Wiener Gemeindebezirk, bot unter Führung von Mark Stefan, dem Leiter der Abteilung Power and Renewable Gas Systems, spektakuläre Einblicke in Laboratorien, die technische Bauteile im Hochspannungsbereich prüfen, und auch Ausblicke zu Energieeffizienz-Ansätzen, die nicht an den Mauern des einzelnen Betriebs enden: Bei der Dekarbonisierung der Industrie wird Elektrifizierung eine große Rolle spielen. Unternehmen sind zunehmend nicht nur Konsumenten von Energie, sondern auch Erzeuger, die eine aktive Rolle bei der Stabilisierung des Stromnetzes spielen.
Eine vorabendliche Stadtführung präsentierte historische Marksteine der Nachhaltigkeit – und in Wien ging es dabei natürlich auch um Wasser und Wein: Wie das einst megalomanisch anmutende Projekt Hochquellleitung bis heute eine stabile Versorgung mit Trinkwasser erster Güte gewährleistet, die Donauregulierung die Stadt vor Hochwasser schützt und als Kollateralnutzen in den Achtziger Jahren eine über 20 Kilometer lange Insel zur Freizeitnutzung entstand, und wie aus dem untrinkbar sauren Wein von 1540 besonders haltbarer Mörtel für den Nordturm des Stephansdoms gemacht wurde. Wie die erste Fußgängerzone entstand, warum Otto Wagner auf Majolika oder Aluminium als nachhaltige Materialien setzte oder weshalb Hundertwassers Märchenlandturm bei der Müllverbrennungsanlage Spittelau weit mehr Substanz hat denn Greenwashing... Auch hierzu kann das EIW Antworten liefern.
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HORECA-Sektor: Energieeffizienz europaweit erhöhen
Bei der Schlussveranstaltung des EU-Projekts EnergyEfficiency4HORECA in Brüssel wurden Erfolgsindikatoren zusammengefasst. In den HORECA-Betrieben (Hotels, Restaurants, Catering) der Hotellerie und Gastronomie ist neben technischen Lösungen die Einbindung des Teams (und auch der Gäste) entscheidend.
EnergyEfficiency4HORECA, ein Projekt von LIFE21, dem Forschungs- und Innovationsinstrument der EU für Umwelt und Klimaschutz, an dem das EIW und elf weitere Partner aus insgesamt sieben EU-Ländern beteiligt waren, kam Ende August zum Abschluss. Die finale Veranstaltung im Juni in Brüssel ließ nochmals die wichtigsten Ergebnisse des Projekts Revue passieren. Über die Ländergrenzen in Europa hinweg besteht Einigkeit, dass Energieeffizienz nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeit wichtig ist, sondern auch eine Möglichkeit für Unternehmen ist, sich wirtschaftlich besser aufzustellen. Speziell KMU stehen jedoch vor realen Hindernissen wie Zeitmangel, fehlender Übersicht über praktische Energieeffizienz-Lösungen und schwierigem Zugang zur Finanzierung der Maßnahmen.
Das Projekt fokussierte sich auf den HORECA-Sektor – also die Bereiche Hotellerie, Restaurants und Catering – und dort spielt bei Energieeffizienz und Klimaschutz der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette eine tragende Rolle: So ist beispielsweise auch die Ökobilanz der An- und Abreise zur Urlaubsdestination zu berücksichtigen. Die Teilnehmenden an der EE4HORECA-Abschluss-veranstaltung hoben insbesondere hervor, dass nachhaltiger Wandel beim Menschen beginnt und nicht nur eine Frage von Technologie ist. Vorgestellt wurden außerdem praktische Unterstützungsangebote, etwa die kostenlos zur Verfügung stehende IMPAWATT-Plattform.
Die Auswertung von 116 teilnehmenden HORECA-Betrieben zeigte, dass vor allem Maßnahmen mit geringem Investitionsbedarf umgesetzt oder geplant werden. Hohe Anfangskosten und fehlende Finanzierungsmöglichkeiten wurden als zentrale Hemmnisse genannt.
Zum Abschluss wurden in dem vom EIW-Experten Mario Jandrokovic moderierten Panel Querverbindungen zu weiteren europäischen Initiativen aufgezeigt und die Bedeutung länderübergreifender Zusammenarbeit hervorgehoben, um Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen.
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Energie erklärt: Gasspeicherziele
Europa geht mit vergleichsweise niedrigeren Gasspeicherständen in den kommenden Winter. Mit 68 Prozent lag der Wert Anfang September erheblich unter dem 5-Jahresschnitt. Auch Österreich verzeichnete mit 67 Prozent unüblich niedrige Füllstände.
Die heimischen Gasspeicher zählen mit 101,6 Terawattstunden Kapazität zu den größten in Europa. Das Fassungsvermögen ist deutlich größer als der österreichische Verbrauch (ca. 75 TWh). Insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage oder bei Lieferunterbrechungen während der Heizsaison wird Gas aus den Speichern entnommen. Bei einem Energieversorgungsengpass sind allerdings die Eigentumsverhältnisse zu beachten:
- Die Strategische Gasreserve, ein staatlich kontrollierter Erdgas-Vorrat der Bundesregierung
- Immunisierte Mengen, von Unternehmen selbst eingespeichert, und auf die sie auch im Falle einer Energielenkung Zugriff haben
- Mengen für geschützte Kund:innen in Österreich, z. B. für Haushalte und soziale Dienste wie Krankenhäuser
- Weitere sonstige Mengen österreichischer Speicherkund:innen – mit höherer Wahrscheinlichkeit für den österreichischen Markt, aber auch an nicht-österreichische Kund:innen verkaufbar
- Gas im Eigentum ausländischer Speicherkund:innen, vornehmlich internationaler Gashändler, die einen großen Teil der gespeicherten Gasmengen ausmachen
Die Speicherpflicht wird in Europa durch EU-Verordnungen eindeutig geregelt. Die europäische Speicherpolitik wurde zuletzt jedoch flexibler gestaltet, damit das prinzipielle Füllstandsziel von 90 Prozent nicht zu Preisspitzen führt.
Niedrige Speicherstände vor dem Winter sind nicht automatisch gleichbedeutend mit drohender tatsächlicher Mangellage. Je weniger Gas gespeichert ist, desto abhängiger ist ein Land von kurzfristigen Importen, und dadurch sinkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Angebotsschocks. Ergo lautet die relevante Frage weniger: „Ist genügend Gas vorhanden?“, sondern zunehmend: „Zu welchem Preis ist Gas im entscheidenden Moment verfügbar, und können heimische Unternehmen zu diesem Preis international noch wettbewerbsfähig sein?“
Zusätzlich treiben hohe Gaspreise meist auch auf den Strompreis nach oben. Damit wird der Speicherstand, eine primär energiewirtschaftliche Kennzahl, auch eine industriepolitischen Größe.