Offene Punkte der Wärmewende

Österreich steht bei der Wärmewende an einem entscheidenden Punkt.
Eine Analyse des EIW und AEE Intec im Auftrag des Dachverbands Energie-Klima  zeigt, dass neben bestehenden Förderinstrumenten vor allem eine konsistente Gesamtstrategie, verlässliche Finanzierungsmodelle sowie zentrale gesetzliche Anpassungen erforderlich sind, um die Transformation im Wärmesektor nachhaltig zu beschleunigen und breiter in der Bevölkerung zu verankern. Gleichzeitig setzt die EU klare regulatorische Leitplanken.

Period: Februar 2025 bis Juli 2025

Project Partner: AEE Intec

Wabendiagramm Handlungsempfehlungen für die Wärmewende

Will Österreich den Zielpfad für die Wärmewende konsequent beschreiten, fehlen noch  wichtige Bausteine. Dies ist eine zentrale Aussage einer Mitte 2025 vom EIW und AEE Intec erstellten Übersicht für den Dachverband Energie- Klima, die gesetzlichen Vorgaben, österr. Programme, technologische Trends und Expertenmeinungen aus der Erneuerbaren Branche gegenüberstellt.

Förderpolitik unter Druck

Bislang wurde die Wärmewende vor allem über Förderungen vorangetrieben. Eine angedachte und von den Landeshauptleuten bekräftigte Gesamtwärmestrategie hat nun wieder weniger Priorität, die Budgetlage für die Bereitstellung von Förderungen ist angespannt. Dadurch entstand mit Ende des Jahres 2024 eine Förderlücke nach vorzeitiger Ausschöpfung der Mittel für Heizkesseltausch. Das jetzige Budget hat nun wieder Anschluss-Mittel, in geringerer Höhe, bereitgestellt.

EU-Regelwerk als starker Rahmen

Auf EU-Ebene präsentiert sich der regulatorische Rahmen sehr umfassend. Mit der Energieeffizienzrichtlinie III, der Erneuerbaren Energierichtlinie III sowie der EU-Gebäuderichtlinie gibt es maßgebliche Vorgaben zu Energieraumplanung, Sanierungsbeanreizung und Dekarbonisierung des Wärmesektors. Die Akteure der Erneuerbaren Branche bewerten diese EU-Vorgaben als positives Signal in Richtung Wärmewende.

Schlüsselgesetze mit Verzögerung

Das aktuelle Regierungsprogramm hat auch die effiziente Umsetzung z.B. der Gebäuderichtlinie dezidiert als Maßnahme im Gebäudebereich aufgeführt. Ebenso ist als Leuchtturmprojekt das „Erneuerbaren Ausbau-Beschleunigungsgesetz“ verankert. Mit diesem Gesetz sollen vor allem Hindernisse (im Bereich Genehmigungen, …) beim Ausbau erneuerbarer Projekte beseitigt werden. Die Erneuerbare Branche insgesamt sieht darin ein Schlüsselgesetz, um die Transformation in Gang zu bringen. Das so genannte EABG ist daher rasch umzusetzen. Vorarbeiten und Vorankündigungen gab es dazu schon länger, die ursprünglich von der Regierung selbst gesetzte Deadline von Sommer 2025 konnte jedoch nicht gehalten werden. Ein weiterer großer Baustein für die Wärmewende ist die Weiterentwicklung des Mietrechts, Wohneigentums/-Wohngemeinnützigkeitsrechts und Heizkostenabrechnungsgesetzes, um auch im Mietbestand Fortschritt zu ermöglichen. Auch dazu finden sich Ankündigungen im Regierungsprogramm. Diese sollten auch im Rahmen eines gesamthaften Wärmewende-Aktionsplans angegangen werden.

Politische Führung und klare Ziele

Insgesamt ist ein großer Appell der Erneuerbaren Branche an die Politik klares political leadership zu zeigen und die Wärmewende als Gesamtkonzept anzugehen. Breit kommunizierte Gesamt-Maßnahmenpakete mit klaren Zielen und klaren Umsetzungsschritten können auch eine breitere Mitwirkung der Bevölkerung sicherstellen. Neben dem Thema Strom sollte auch das Bewusstsein für die Transformation im Bereich Wärme, der erheblichen Anteil am Endenergieverbrauch hat, geschärft werden. Diese Vorgangsweise hätte auch positive Effekte auf die Ausbildung von Green Skills. Klare politische Vorgaben erhöhen die Bereitschaft in Zusatzausbildungen zu investieren. Eine kontinuierliche Fördersituation, die auch degressiv gestaltet sein kann und die Umsetzung wichtiger rechtlicher Rahmenbedingungen sind zentrale Eckpfeiler der heimischen Wärmewende. Auch hier ist wieder hervorzuheben, dass die Kontinuität Vertrauen stiften soll bei Haushalten, die die Projekte umsetzen sollen und bei den Unternehmen, die die Lösungen anbieten. Ebenso bedeutend und auch bereits in EU-Richtlinien angelegt ist verstärkte Energieraumplanung. Diesen Baustein sehen nicht nur Anbieter Erneuerbarer Energie als zentral an, er wird auch vielfach in Studien als markanter Trend ausgewiesen. Zunehmende Sektorkopplung und die Dekarbonisierung der Fernwärme werden ebenfalls als überaus wichtig angesehen. Dies ist sowohl die Sicht der Branchenexpertinnen und -experten als auch ein Trend einiger einschlägiger Studien.